Moscow Exchange hat angekündigt, ab dem 1. Dezember den Handel mit Bitcoin (BTC), Ether (ETH) und Tether‑USDT anzubieten und damit die erste organisierte Digital‑Currency‑Börse Russlands zu werden. Der Start folgt der Aktivierung der neuen russischen Krypto‑Gesetzgebung am 1. September, die regulierten Handel erlaubt, während Krypto‑Zahlungen für Waren und Dienstleistungen weiterhin verboten bleiben.

ETH / USD
Quelle: CoinGecko. Kurse sind Richtwerte.

Handelsmechanik und Investorengrenzen

Die Börse sagt, dass der Pilotbetrieb über die bestehende Börseninfrastruktur läuft, das Clearing erfolgt über das Nationale Clearing‑Center (NCC). Die Handelszeiten sind von 06:50 bis 23:50 Moskauer Zeit, und die Plattform unterstützt zunächst Same‑Day‑ und Next‑Day‑Abwicklung sowie Swap‑Transaktionen. Nicht‑qualifizierte Investoren müssen einen Kompetenztest bestehen, bevor sie handeln dürfen, und dürfen pro Broker maximal 300.000 Rubel (etwa 3.700 $) pro Jahr kaufen, wie die Börse erklärt.

Sanktionen und Marktausblick

Moscow Exchange und das NCC stehen seit Juni 2024 unter US‑Sanktionen, das Vereinigte Königreich hat sie im selben Monat auf seine Sanktionsliste gesetzt und die Europäische Union folgte im Juli 2026. Sergey Mendeleev, Gründer der grenzüberschreitenden Zahlungsplattform Exved, sagte gegenüber Cointelegraph, dass die Sanktionen und die Investorengrenzen zu „absolut absurden Spreads“ führen könnten, wodurch das Angebot für normale Händler unattraktiv sei. Er bezweifelte, dass weder der globale noch der heimische Markt nennenswerte Aktivitäten an einer sanktionierten Börse verzeichnen würde.

Mögliche Rolle im Außenhandel

Trotz der Kritik meinte Mendeleev, die Plattform könnte Importeuren und Exporteuren als direkter Krypto‑Abwicklungskanal dienen, vergleichbar mit Edelmetall‑Konten bei der russischen Bank Sberbank, bei denen Kunden Salden handeln, ohne das physische Gut zu besitzen. Er hofft, dass die Börse zu einem „echten Durchbruch für den Außenhandel“ werden könnte, warnt jedoch, dass zusätzliche Intermediäre die Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt mindern könnten, in dem Preisunterschiede nur 0,05 % betragen können.

Ausblick

Wichtige Indikatoren sind das Volumen qualifizierter Teilnehmer, die Spanne zwischen Geld‑ und Briefkurs sowie mögliche regulatorische Anpassungen, die Sanktionen lockern oder verschärfen könnten. Beobachter werden zudem prüfen, ob die Plattform grenzüberschreitende Handelsaktivitäten anzieht oder nur ein Nischenangebot für eine kleine Gruppe russischer Investoren bleibt.